„Es war eine rundum gelungene Veranstaltung“, resümierte Prof. Dr. Carl-Peter Criée, Chefarzt der Abteilung für Pneumologie, Beatmungsmedizin/Schlaflabor. Zum Tag der offenen Tür anlässlich des 60-jährigen Bestehens kamen am Samstag viele Hundert Besucher aus Göttingen und der gesamten Region in das Krankenhaus Lenglern. Wie sieht es im Inneren der Lunge aus? Welches Lungenvolumen habe ich? Was ist eigentlich ein Schlaflabor? Antworten auf diese und andere Fragen rund um das Thema Lungenheilkunde, Beatmungs- und Schlafmedizin bekamen junge und alte Gäste auf dem Krankenhausgelände.
Nach der Begrüßung und einem geschichtlichen Rückblick durch Prof. Dr. Carl-Peter Criée referierte Dr. Wolfgang Körber, Leitender Oberarzt, über typische Krankheitsbilder der Lungenheilkunde. Der Schwerpunkt des Vortrages von Oberarzt Dr. Helmut Holle war die Beatmungsmedizin, und Oberarzt Dr. Claus Quast sprach über das Schnarchen und nächtliche Atempausen.
Aktionen auf dem Gelände
Sehr gut besucht waren die Aktionen auf dem Krankenhausgelände: In der Endoskopieabteilung bekamen die Besucher einen Einblick in die Lunge – ein Blick, den sonst nur das Fachpersonal hat. „So etwas zu sehen, ist sehr spannend“, sagt Martin Müller, Atem-, Sprech- und Stimmlehrer aus Northeim. „Es ist wirklich beeindruckend, und man bekommt Respekt vor dieser Untersuchung.“ Viele Besucher nutzten zudem die Möglichkeit, kostenfrei ihr Lungenvolumen messen zu lassen. Mitarbeiterin Rosemaria Sämann führte die Untersuchung durch und überreichte den Besuchern anschließend einen Ausdruck mit den Werten des eigenen Lungenvolumens. Im Haus B präsentierten Manuela Metzner und Philip Schürmann Beatmungsgeräte und Beatmungsmasken. Auch im Schlaflabor standen die Türen offen, heute jedoch nicht zum schlafen. „Der Zuspruch ist gut, es ist viel los“, sagt Manuela Metzner, MTA im Krankenhaus Lenglern.
Nicht nur einen Einblick in die hauseigene Küche, sondern ein leckeres Mittagessen konnten die Besucher probieren: Die Köche Carsten Meyer und Bernd Gerdau zauberten Filetstreifen mit buntem Herbstgemüse und Laugengebäck und als Dessert Crème Brulée. Nicht nur die beiden Brüder Paulo (4) und Milo (2) fanden es lecker.
Geschichte des Krankenhauses Lenglern
Am 19. April 1949 kamen die ersten Patienten in das „Tuberkulose-Krankenhaus Lenglern" am Rande des Ortes. So hieß das Krankenhaus in der Anfangsphase, weil in der Nachkriegszeit viele Tuberkuloseerkrankungen versorgt werden mussten. Dazu wurde die ehemalige Munitionsanlage, die zuvor hier untergebracht war, entsprechend umgebaut. Die Leitung und Verwaltung des Krankenhauses hatte der Kreisverband Göttingen des Deutschen Roten Kreuzes inne.
1954 waren ein Chefarzt, zwei Assistenzärzte, ein Hilfsarzt, neun Schwestern, sechs Schwesternhelferinnen, ein Hausmeister, ein Gärtner und 29 weitere Personen beschäftigt. Im Krankenhaus wurden damals 220 Patienten pro Jahr mit einer durchschnittlichen Verweildauer von sieben Monaten behandelt. Dazu standen 100 Betten zur Verfügung.
Mit Rückgang der Tuberkulose und Entwicklung der modernen Pneumologie wurde 1969 das Krankenhaus umbenannt in „Krankenhaus an der Lieth“ und somit zum Fachkrankenhaus für Menschen mit Erkrankungen der Atmungsorgane. Die Unterkünfte wurden zu großen Bettenstationen umgebaut. 1977 wurde die Trägerschaft allein vom Landkreis Göttingen übernommen. 1978 startete der Umbau zu einem modernen Krankenhaus mit leistungsstarken Funktionseinheiten und komplett erneuerten Bettenstationen.
Seit 1984 stellt das Krankenhaus den zentralen Pollenwarndienst für Süd-Niedersachsen sicher. Ein Kooperationsvertrag mit der Universitätsklinik Göttingen besteht seit 1986 im Bereich der Lehre, der Forschung und des gegenseitigen Konsiliardienstes. 1988 gelang in Lenglern ein
Durchbruch in der Beatmungsmedizin. Erstmals können sich Patienten zu Hause selbst über Masken beatmen, statt auf der Intensivstation zu liegen. Ende der achtziger Jahre und Anfang der neunziger Jahre wurde nach Entwicklung der nicht-invasiven Beatmung und Installation eines Schlaflabors das Krankenhaus in zwei Abteilungen unterteilt: Pneumologie und Schlaf- und Beatmungsmedizin. Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende übernahm 1995 die Trägerschaft.
Gegenwart
Heute verfügt das Krankenhaus über 95 Betten, pro Jahr werden 3200 Patienten versorgt. In der Beatmungsmedizin besitzt die Einrichtung bundesweit Bedeutung. Es werden alle Aspekte der Lungenheilkunde behandelt, unter anderem Lungenkrebspatienten. Im einzigen größeren Schlaflabor der Region behandeln die Fachärzte Schlafstörungen aller Art. Chefarzt ist Prof. Dr. Carl-Peter Criée.
Zukunft
2012 wird die Fachabteilung Pneumologie an den Standort Göttingen-Weende verlegt. Der Schwerpunkt Schlafmedizin wird in Lenglern bleiben und weiter ausgebaut. Das Angebot an medizinischer Versorgung wird bis 2015 im Gesundheitspark Lenglern erweitert, wo schon heute sechs Arztpraxen unterschiedlicher Fachrichtungen angesiedelt sind.
Fotogalerie:
Dr. Wolfgang Körber referierte über typische Krankheitsbilder der Lunge
Krankenpflegerin Maria erklärt den Besuchern die flexible Video-Bronchoskopie
Besucher Martin Müller versucht sich an der Bronchoskopie
Prof. Dr. Carl-Peter Criée, Assistenzarzt Ulrich Keyser, Hauke Thelemann (Stationsleitung L4)
Rosemaria Sämann bei der kostenlosen Lungenfunktionsmessung
Frau Lindner, Frau Voß und Herr Thelemann schauen sich alte Fotos an.
Zivildienstleistender Philip Schürmann und MTA Manuela Metzner präsentieren Atemmasken
Schwester Hannelore, Prof. Dr. Carl-Peter Criée, Frau Lindner
Dr. Claus Quast zeigt einer Besucherin das Schlaflabor.
Die Köche: Carsten Meyer (hinten) und Bernd Gerdau
"Lecker": Paulo (4) und Milo (2) schmeckt es.