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Presseinformationen

06.09.2015

Wohnanlage in Lenglern eröffnet

Medizinisches Leuchtturm-Projekt: Zwei Millionen Euro wurden auf dem Krankenhausgelände in Lenglern investiert.

Die neue Wohnanlage auf dem Krankenhausgelände in Lenglern.

Die Komfort-Vermietungsgesellschaft, das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende und der Pflegedienst RENAFAN haben am Freitag, 04. September 2015, die ambulanten Wohngemeinschaften für beatmungspflichtige Patienten auf dem Krankenhausgelände in Lenglern eröffnet.

Zwanzig Wohneinheiten sind auf zwei Etagen und einer Gesamtfläche von rund 1.150 Quadratmetern entstanden. Das Investitionsvolumen betrug etwa zwei Millionen Euro einschließlich der Inneneinrichtung. Gebaut wurde die neue barrierefreie Wohnanlage von der Projektgesellschaft Lenglern, das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende stellt das Grundstück zur Verfügung, RENAFAN bietet die intensivpflegerische Betreuung der Wohngruppen an.

Das Angebot richtet sich insbesondere an Mieter, die künstlich beatmet werden (invasiv und nicht-invasiv) und eine intensive Betreuung bedürfen, dabei aber trotz der mit ihrem Krankheitsbild einhergehenden Einschränkungen weiterhin selbstbestimmt leben und wohnen wollen. Sowohl die individuellen Wohnräume als auch die Gemeinschaftsflächen sind barrierefrei konzipiert und in einem stilvollen, modernen Ambiente gehalten.

Während rund 80 Prozent der beatmungspflichtigen Patienten im Krankenhaus von der maschinellen Beatmung entwöhnt und in ihre eigene Wohnung zurückkehren können, ist dies bei 20 Prozent nicht möglich. Diese Patienten sind auf eine Langzeitbeatmung angewiesen. Hierfür gibt es nun mit der neuen Wohnanlage erstmals in der Region eine adäquate Versorgungsmöglichkeit für diese Patienten nach ihrem Krankenhausaufenthalt.

Die Überleitung aus dem stationären Krankenhausbereich in die ambulante Versorgung verfolgt zwei Zielrichtungen: Zum einen soll weiterhin durch die Nähe zum klinischen Fachbereich eine schnelle und fachärztliche Versorgung gewährleistet sein. Zum anderen sollen die Mieter darin gestärkt werden, ein trotz der Schwere ihrer Erkrankung möglichst selbstbestimmtes und durch ein hohes Maß an Teilhabe geprägtes Leben zu führen, wie es in einer stationären Versorgung nicht möglich ist. Die Stärkung der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Mieter wirkt sich wiederum positiv auf deren Heilungsverläufe und Krankheitsbilder aus.

Für den Patienten ist das oberste Ziel die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung und der Umzug nach Hause. Die neue ambulante Wohneinrichtung in Lenglern soll grundsätzlich als Übergangslösung und Alternative zu einer Versorgung zu Hause dienen. Trotzdem ist es möglich, dass die Bewohner hier längerfristig wohnen bleiben. Die neuen Appartements sind mit einer eigenen Nasszelle und kleinen Balkonen ausgestattet. In jeder Wohngemeinschaft (WG) bietet ein mit der Wohnküche kombinierter, großzügiger Gemeinschaftsraum (62 Quadratmeter) Möglichkeiten zum Kochen und Verweilen oder zu gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Besprechungen, Fernseh-/Fußballabende, Versammlungen. Der attraktive, zentral in der jeweiligen WG gelegene Gemeinschaftsraum fördert die Kommunikation und gemeinschaftlichen WG-Aktivitäten und stärkt so die Gemeinschaft. Jede Etage hat ein modernes Pflegebadzimmer erhalten, auch Wirtschafträume und Abstellräume sind vorhanden.

Die Vermietung der Wohneinheiten übernimmt exklusiv die Komfort Vermietungsgesellschaft mbH aus Potsdam bei Berlin. Das Unternehmen bietet bundesweit als Vermieter von Spezialimmobilien Wohnraum für Menschen mit einem hohen Grad an Pflegebedürftigkeit an. Hierbei wird auf eine moderne Ausstattung und hochwertige Infrastruktur für die besonderen Anforderungen der Intensivversorgung Wert gelegt.

 

Hintergrund

Seit 2011 gibt es in der Abteilung Pneumologie, Beatmungsmedizin/Schlaflabor am Standort Lenglern des Evangelischen Krankenhauses Göttingen ein Weaning-Zentrum. Auf der Intensivstation mit sechs Betten werden jährlich etwa 125 invasiv- und nicht-invasiv beatmete Patienten für zwei bis drei Wochen versorgt. Das Einzugsgebiet ist sehr groß. Die nächsten Weaning-Zentren sind in Hannover und Immenhausen.

Als Weaning bezeichnet man die Entwöhnungsphase eines Patienten, der über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet wurde. Um Stress und Erschöpfung nach der Langzeitbeatmung zu vermeiden, wird ein Entwöhnungs-Training begonnen, bei dem vor allem die Atemhilfsmuskulatur wieder aufgebaut werden soll.

Eingangsbereich
Das Pflegeteam freut sich auf die neuen Bewohner.
Wohnraum
Gemeinschaftsraum
Nicht nur die Farbgebung der Flure ist mit einem Farbtherapeuten abgestimmt worden.