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Presseinformationen

19.11.2015

Die Wiederbelebung von Phantomen steht im EKW ganz hoch im Kurs

EKW schafft Übungsphantome für 18.000 Euro an. Weender Krankenhaus ist bundesweit Vorreiter in Sachen ILS-Kurse.

Der "Patient" hat einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Das Lebensretter-Team beginnt sofort mit Herz-Druck-Massage und Beatmung.

Seit 2009 werden im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) für Klinikpersonal regelmäßig ILS-Kurse angeboten. ILS steht für "Immediate Life Support". Ziel der Kurse ist es, dem Personal bei innerklinischen Notfallsituationen und lebensrettenden Sofortmaßnahmen mehr Sicherheit zu vermitteln. Eigens zu diesem Zweck wurden dafür vom EKW fünf eigene sogenannte Übungsphantome angeschafft; bisher mussten sie entliehen werden. Das erleichtert die Ausbildung des medizinischen Personals.

Fast 30 Teilnehmer/-innen konnten beim letzten Mal geschult werden. Zweimal jährlich wird dieser wichtige patientenorientierte Grundkurs für das Weender Krankenhaus und seine Standorte Lenglern und Neu-Mariahilf sowie die ans Krankenhaus angeschlossenen MVZ (Medizinische Versorgungszentren) angeboten. Ein Auffrischungskurs steht ebenfalls zweimal jährlich auf dem Programm.

Gerade in Krankenhäusern muss das Personal stets damit rechnen, überlebenswichtige Erste Hilfe beim Patienten leisten zu müssen. Deswegen ist eine stetige Fortbildung in puncto Wiederbelebung von besonderer Wichtigkeit. Das hat das EKW erkannt und förderte dies jetzt mit rund 18.000 Euro für die Anschaffung von Übungspuppen, sogenannter "Phantome".

Diese werden bei den regelmäßig abgehaltenen, achtstündigen ILS-Kursen eingesetzt. Ein solcher Kurs vermittelt den Teilnehmern in Vorträgen und überwiegend praktischen Übungen die Fähigkeiten, die in Notfallsituationen zu einer erfolgreichen Reanimation des Patienten führen sollen, während auf das Eintreffen des innerklinischen Notfallteams gewartet wird. Geübt werden das teamorientierte Reanimationstraining mit Herz-Druck-Massage, automatischer externer Defibrillation und Beutel-Maske-Beatmung sowie das äußerst wichtige Notfall-Teamwork. Sehr wichtig ist auch die gemeinschaftliche Nachbesprechung der nachgestellten Notfallsituationen innerhalb der Gruppe.

Zu den Teilnehmern am EKW gehören zumeist das hauseigene Krankenpflegepersonal, Pflegehelfer, Ärzte, Krankenpflegeschüler, Physiotherapeuten, Röntgenassistenten und Medizinstudenten. Diesmal waren auch Mitarbeiter des Krankenhauses Neu-Bethlehem dabei.

"Allein beim jetztigen ILS-Kurs waren elf Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen mit von der Partie", schildert Kursleiter Dr. Horst Wagner-Berger, früher Leitender Oberarzt der Abteilung Klinische Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin im EKW, jetzt Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie am Agaplesion Krankenhaus Neu-Bethlehem in Göttingen, begeistert das Engagement des Personals. "In vier Gruppen konnten unsere sechs Instruktoren die jeweils sechs bis acht Teilnehmer sehr effektiv mit den neuen Übungsphantomen schulen." Wichtig sei vor allem das schnelle Erkennen einer lebensbedrohlichen Situation beim Patienten. "Nur wenige Häuser bieten solche Kurse an, das EKW gehört da deutschlandweit zu den Vorreitern", so Wagner-Berger weiter.
 
Fabian Müller, Leiter des Notfallmanagements am EKW-Standort Neu-Mariahilf, ist das erste Mal dabei, aber der Funke des engagierten Schulungsteams ist sofort zu ihm übergesprungen. Begeistert resümiert er: "Das war sehr effektiv und vor allem: mehr Praxis als Theorie! Man merkt, in der Schulung steckt viel Herzblut von Dr. Wagner-Berger und seinem Team."
 
Der Kurs wird nach einem europaweit einheitlichen Standard durchgeführt. Er richtet sich nach den Leitlinien des ERC (European Resuscitation Council), einer Arbeitsgruppe für Kardiologie in der Notfallmedizin. Am Ende des Kurses bekommen alle Teilnehmer ein Zertifikat des ERC, das fünf Jahre Gültigkeit hat.
 
Ziel des im EKW angebotenen ILS-Kurses ist es, mögliche Sterbefälle in Folge von Kreislaufstillständen zu minimieren. "Deswegen sind wir mit dem Angebot dieses richtungsweisenden Kurses für unser Personal davon überzeugt, dass dieses simple, jedoch effektive Trainingsprogramm hilft, im Krankenhaus Leben zu retten", sagt Prof. Dr. Michael Karaus, Medizinischer Geschäftsführer des EKW.

Dr. Horst Wagner-Berger (Mitte vorne), Leiter des ILS-Kurses, mit seinem Instruktoren-Team.