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Presseinformationen

19.07.2017

Gegen Krankenhausinfektionen: Gefährlichen Bakterien in geriatrischen Kliniken auf der Spur

Innovationsfonds fördert Forschungsprojekt ReToCdiff (Reduktion von Infektionen mit toxinbildenden Clostridium difficile) mit 853.000 Euro.

Die Vertreter des ReToCdiff-Projekts während eines Treffens am Evang. Krankenhaus Göttingen-Weende (vordere Reihe v.l.: Prof. Dr. Roland Nau, Dr. Jana Seele, Prof. Dr. Simone Scheithauer, Erika Brock, Sarah Scharbau, Prof. Dr. Tim Friede. Hintere Reihe v.l.: Dr. Martin Kaase, Prof. Dr. Dr. Helmut Eiffert, Astrid Anschau, Dr. Jürgen Sasse, Dr. Volker Meier, Dr. Manfred Wappler, Prof. Dr. Michael Karaus)

Forschung ist nötig, um zielgerichtete Strategien gegen den Ausbruch und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu entwickeln. An einem Vorhaben, das sich mit Maßnahmen zur Verhinderung von Krankenhausinfektionen befasst, beteiligt sich jetzt das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende  (EKW) gemeinsam mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Im Rahmen des vom Innovationsfonds geförderten Projekts ReToCdiff (Reduktion von Infektionen mit toxinbildenden Clostridium difficile) soll in geriatrischen Kliniken die Verbreitung von Bakterien eingedämmt werden, die Toxine produzieren. Clostridium difficile ist ein Darmbakterium und einer der gefährlichsten Krankenhauskeime - insbesondere für ältere Patienten.

Ziel des jetzt gestarteten Projekts ist es, die Erkrankung an und die Ausbreitung von giftstoffbildenden Clostridium difficile-Bakterien (TCD) in geriatrischen Kliniken zu verringern. Infektionen mit TCD können lebensbedrohlich sein, besonders bei alten Patienten mit mehreren Erkrankungen. "Insbesondere in der Geriatrie sind TCD-Infektionen schwer zu kontrollieren und verursachen erhebliche Probleme. So müssen Patienten, die sich angesteckt haben, separat untergebracht werden, und der Kontakt mit Angehörigen, Besuchern und Krankenhauspersonal ist nur unter Beachtung besonderer Schutzmaßnahmen möglich. Zudem darf der Patient das Zimmer nicht verlassen", sagt Prof. Dr. Roland Nau, Chefarzt des Geriatrischen Zentrums im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Nau leitet das ReToCdiff-Projekt und ist gleichzeitig Leiter der Arbeitsgruppe Experimentelle Neuroinfektiologie am Institut für Neuropathologie der Universitätsmedizin in Göttingen.

Im Rahmen des Projekts werden in der Geriatrie tätige Reinigungskräfte von der Krankenhaushygiene des EKW unter Leitung von Dr. Volker Meier geschult, um unter Verwendung eines sporenabtötenden Reinigungsmittels die Patientenzimmer von Clostridien zu befreien. Zudem wird die Bettwäsche der Betroffenen täglich gewechselt und den Erkrankten eine kostenlose professionelle Reinigung der Kleidung nach überstandener TCD-Infektion angeboten. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen von Probiotika, die den Patienten als Nahrungsergänzung angeboten werden, untersucht werden. Diese Maßnahmen werden mit der üblichen Behandlung nach den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert-Koch-Institut verglichen, indem die Häufigkeit der TCD-Infektionen und der Neubesiedlung mit TCD vor und nach Umsetzung der Maßnahmen ausgewertet wird.

Die statistische Auswertung der Daten erfolgt durch das Institut für Medizinische Statistik der UMG unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Friede. Die Anzucht und molekulargenetische Charakterisierung der Infektionserreger wird von der Zentralabteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie der UMG unter Leitung von Prof. Dr. Simone Scheithauer durchgeführt.

Diejenigen Maßnahmen, die im Projektverlauf als wirksam eingeschätzt werden, werden in der zweiten Projektphase neben dem Geriatrischen Zentrum des EKW auch in der Geriatrie des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen in Hofgeismar (Chefarzt Dr. Manfred Wappler) sowie in der DRK Klinik Kaufungen (Chefarzt Dr. Jürgen Sasse) angewendet.

Im Erfolgsfall sinkt die Zahl von Infektionen mit toxinbildenden Clostridium difficile-Bakterien, und die Ausbreitung von TCD in geriatrischen Kliniken kann eingedämmt werden. Das Projekt wird für drei Jahre mit rund 853.000 Euro gefördert.

Hintergrundinformation Innovationsfonds

Ziel des von der Bundesregierung aufgelegten und aus Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen und des Gesundheitsfonds getragenen Innovationsfonds ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Dazu fördert der Innovationsfonds in den Jahren 2016 bis 2019 innovative, insbesondere  sektorenübergreifende Versorgungsformen und die patientennahe Versorgungsforschung. Eine wichtige Zielsetzung ist es, neue Versorgungskonzepte zu erproben. Deshalb müssen die geförderten Projekte dafür geeignet sein, auch dauerhaft in die Versorgung aufgenommen zu werden. Voraussetzung für eine Förderung ist daher unter anderem, dass die Projekte ihre Wirksamkeit durch eine wissenschaftliche Begleitung unter Beweis stellen.