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Presseinformationen

28.09.2017

Wettbewerb FirmenGärten: 1. Hauptpreis für Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende

54 Mitbewerber; Preisverleihung in Osnabrück; Schirmherrin war Cornelia Rundt, Niedersächsische Sozialministerin

Gewinnerfoto (v.l.): Helmut Glenewinkel (AOK Niedersachsen), Michael Werbeck (Laudator, Rhododendronpark Bremen), Silke Schwarz (Laudatorin, Hochschule Osnabrück), Oliver Kropff und Stefan Rampfel (Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende), Harald Kusserow (Präsident Verband Garten-, Landschafts- u. Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen e.V.)

Der Therapiegarten des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende hat beim bremisch-niedersächsischen FirmenGärten Wettbewerb den ersten Hauptpreis gewonnen. Insgesamt nahmen 54 Gärten von Krankenhäusern, Seniorenheimen und therapeutischen Einrichtungen teil. Der Wettbewerb fand das letzte Mal 2014, davor 2006 statt. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Gesundheit – Pflege – Therapie“. Die Preisverleihung fand am 27. September in Osnabrück statt.

Wer bietet seinen Patienten und Mitarbeitern eine vorbildliche Aufenthaltsqualität auch außerhalb des eigenen Zimmers? In welchen Einrichtungen sind Gartenanlagen optimal in pflegerische und therapeutische Konzepte integriert? Mit diesen Fragen richtete sich der Wettbewerb, der unter der Schirmherrschaft der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt und der Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt steht, an entsprechende Einrichtungen aus Niedersachsen und Bremen.

In der Laudatio zum ersten Platz heißt es: „Pergolen mit Sitzmöglichkeiten, Parcours mit unterschiedlichen Bodenbelägen, variable Treppen und Rampen, Stauden, Rosen und interessante Ziergehölze runden den topgepflegten Krankenhausgarten ab, in dem es zudem unterschiedlich lange, gut ausgeschilderte Rundwege – vom 90 m langen „Stadtrundgang“ bis zur 230 m langen „Weltreise“ – gibt.“ Und weiter: „Der 7000 Quadratmeter große Therapiegarten des Evanglelischen Krankenhauses Göttingen-Weende ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich und bekam das einstimmige Votum als Sieger.“

54 hochkarätige Wettbewerbsbeiträge zeigen, welche Bedeutung das Thema mittlerweile hat. „War der Garten bereits Anfang des letzten Jahrhunderts ein Ort der Genesung – so gewinnt er aktuell zunehmend an Stellenwert und hat seinen Platz in der Gesundheitsversorgung im Rahmen von Prävention, Therapie oder der Rehabilitation zurück erobert“, sagt Jutta Berding, Hochschule Osnabrück, die als Spezialistin für Ergotherapie Jurymitglied beim Wettbewerb war. Ihre für den Bereich Pflegewissenschaften zuständige Kollegin Elke Hotze ergänzt: „Die eine Einrichtung umgebende Grünfläche als bewusst geplanter Lebensraum bietet große Chancen für Patienten, sei es in der gezielten Einbindung im Rahmen therapeutischer Interventionen oder als Erholungs- und Rückzugsort zur Verbesserung von Wohlbefinden und Lebensqualität.“

Die Wettbewerbsjury nahm viele der eingereichten Wettbewerbsbeiträge vor Ort in Augenschein und vergab insgesamt neun Preise, die die Vielfalt der eingereichten Projekte und Konzepte widerspiegeln. Die vier Hauptpreise und fünf Sonderpreise wurden von Helmut Glenewinkel, Geschäftsführer der AOK Niedersachsen für den Bereich Gesundheitsmanagement/Pflege sowie Harald Kusserow, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen, im Rahmen der Abschlussveranstaltung im Festsaal der Deutschen Bundesstiftung Umwelt überreicht.

Zu den Preisträgern zählen neben dem Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (1. Hauptpreis) das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz aus Syke (2. Platz), die Psychiatrie Wunstorf (Platz 3) und das Gut Sannum aus Großenkneten (4. Platz). Auch fünf Sonderpreise in den Kategorien „Teamwork“, „Pflegetherapeutischer Bauerngarten“, „Pflegetherapeutischer Stadtgarten“, „Grüne Insel in der Stadt“ und „Gartentherapeutische Innovation“ wurden vergeben.

Helmut Glenewinkel zeigte sich beeindruckt von den Wettbewerbsbeiträgen: „Der Wettbewerb belegt, dass kreativ und schön gestaltete Gärten das Wohlbefinden der Menschen fördern können und zu einem ganzheitlichen Therapiekonzept von Einrichtungen für Kranke, Behinderte, Pflegebedürftige und sterbende Menschen gehören.“

Der prämierte Therapiegarten des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende

Der 7000 Quadratmeter große Therapiegarten des Weender Krankenhauses wurde 2009 eröffnet und bietet seitdem nicht nur Therapiemöglichkeiten für Patienten, sondern auch Erholung vom Klinikalltag und Ruhebereiche für Besucher und Mitarbeiter. Durch die angelegten Hügel wirkt der Therapiegarten größer als er ist. Er vermittelt – auch durch die unterbrochenen Sichtachsen – ein großes Raumgefühl. Es wird bewusst auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet. So verwundert es kaum, dass nicht nur Bienen, Hummeln und diverse Arten von Schmetterlingen hier anzutreffen sind, sondern auch Große Grüne Heupferde, seltene Distelfinken und andere Vogelarten. EKW-Landschaftsgärtner Oliver Kropff achtet zudem darauf, dass im Garten genug Futter für Insekten vorhanden ist, so z.B. durch wild wachsenden Rasen und eine blühende  Margeritenwiese. Durch die Reduzierung der Mähtermine entsteht hier Jahr für Jahr auf natürliche Weise eine Wildblumenwiese mit heimischen Kräutern und Stauden. Diese bietet gerade im städtischen Bereich vielen Pflanzen und Tieren einen wichtigen Lebensraum.

Die Physio- und Ergotherapeuten des Krankenhauses nutzen den Therapiegarten hauptsächlich für geriatrische Patienten. Zielsetzungen sind dabei u.a. Ausdauer- und Alltagstraining. Der Garten ermuntert zum Training, indem die Therapieelemente in eine wunderschöne Gartenanlage integriert sind. Das Alltagstraining gibt den Patienten Zuversicht, sich wieder ihrer häuslichen Umgebung und ihren alltäglichen Tätigkeiten stellen zu können.

Zum Therapiegarten gehört eine Gehschule, deren Wege aus unterschiedlichen Belägen bestehen. Hier wird das Gehen mit und ohne Hilfsmittel geschult, was der Sturzvorbeugung dient. Schwellen, Steigungen und Treppen bilden das alltägliche Umfeld ab. Vom Therapiegarten profitieren u.a. Patienten, die eine Hüftprothese erhalten haben, eine Operation wegen Oberschenkelhalsbruch hatten oder wegen neurologischer Erkrankungen behandelt werden.

Im „Garten der Sinne“ spielt das Element Wasser eine große Rolle. Am Brunnen kann man entspannt dem Plätschern lauschen, an der Wasserkugel können Patienten fließendes Wasser erfühlen. Eine Sinnesstation ermöglicht über unterschiedliche Schulungstafeln das Training der Feinmotorik und das Ertasten unterschiedlicher Materialien. Stimmungslabilen Patienten wird durch den Umgebungswechsel – vom Patientenzimmer nach draußen in den Garten – eine deutlich verbesserte psychische Ausgangssituation zur körperlichen Therapie geboten.

Auf drei verschieden langen Rundwegen im Garten – dem „Stadtrundgang Göttingen“, der „Harzwanderung“ oder der „Weltreise“ – können Patienten selbstständig unter Anleitung von Therapeuten wieder zu Kräften kommen. Auch Ruhe- und Entspannungsbereiche befinden sich im Therapiegarten am Weender Krankenhaus. Für die geistige Fitness steht ein Gartenschachspiel zur Verfügung, das die Koordination sowie die Stand- und Gangsicherheit der Patienten trainiert. Weitere Trainingsmöglichkeiten für den Alltag bieten die Geräte Straßenbahn, Kurvenbahn, Armtrainer und Crosstrainer. Der öffentlich zugängliche „Weender“ Therapiegarten ist auch für Besucher sehenswert.

Blick auf den Therapiegarten des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende im Herbst.
U.a. durch eine Margeritenwiese ist im Sommer genug Futter für Insekten vorhanden.
Durch angelegte Hügel und unterbrochene Sichtachsen vermittelt der Weender Garten ein großes Raumgefühl.
Die Physio- und Ergotherapeuten des Krankenhauses nutzen den Therapiegarten hauptsächlich für geriatrische Patienten.
Auf drei verschieden langen Rundwegen können Patienten selbstständig oder unter Anleitung von Therapeuten wieder zu Kräften kommen.