Sechs Meter tiefe Einblicke in den Darm

Dr. Matthias Wirth, Oberarzt der Abteilung Innere Medizin am WKW, präsentiert mit Gaby Schmidt, pflegerische Leiterin der Inneren Funktionsdiagnostik, das neue Spiralenteroskop.


Den Dünndarm untersuchten die Gastroenterologen des EKW bisher mit Hilfe eines Standardverfahrens, der ballonassistierten Enteroskopie. Diese Methode ist aufwendig und zeitintensiv, weswegen der Arzt diesen Organteil oft nicht mit einem Mal untersuchen und tieferliegende Abschnitte mitunter gar nicht erreichen kann. Die neuartige Technologie ist besonders für Patienten interessant, die Blutungen oder andere Beschwerden haben, die aber mit dem herkömmlichen Verfahren nicht zu orten sind.

 

"Bei uns Gastroenterologen stellt der Dünndarm gewissermaßen eine Black Box dar. Das liegt vor allem an seiner Länge von mehreren Metern und der schlechten Zugänglichkeit über Magen und Dickdarm. Er ist damit wohl eines der am schwersten zu erreichenden Organe im menschlichen Körper, aber lebensnotwendig für uns", sagt Prof. Michael Karaus, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin im Weender Krankenhaus. "Denn hier werden die Nährstoffe aufgenommen, von denen wir leben."

 

Das Spiralenteroskop ist mit einer kleinen, hochauflösenden Kamera ausgestattet. Der Spiralantrieb zieht das Endoskop durch den Darmtrakt und sorgt dafür, dass der Dünndarm behutsam auf das rund 170 Zentimeter lange Endoskop aufgefädelt wird. Mittels eines Fußschalters kann der Arzt die motorgetriebene Spirale regulieren und damit das Endoskop vorsichtig vor und zurück manövrieren. Um einer Perforation des Organs durch die Endoskop-Spitze vorzubeugen, ist der Antrieb mit einem automatischen Stopp bei zu hohem Widerstand ausgestattet.

 

"Durch dieses neue Verfahren lässt sich der Dünndarm innerhalb einer Stunde komplett untersuchen, bisher war fast das Doppelte an Zeit nötig", sagt Dr. Matthias Wirth, Oberarzt in der Abteilung Innere Medizin am Standort Weende. Gerade für ältere Patientinnen und Patienten mache das einen großen Unterschied aus, denn es werde weniger Schlaf- und Schmerzmittel benötigt. Das entlaste nicht nur den Patienten, sondern auch das Personal, welches künftig weniger Zeit für die Überwachung aufbringen müsse.

 

Über den Arbeitskanal des Spiralenteroskops kann der Arzt auch Biopsien entnehmen oder Darmpolypen abtragen. Je nach dem, an welcher Stelle die Beschwerden des Patienten verortet sind, welcher Zugangsweg also kürzer ist, kann über den Enddarm oder den Mund gespiegelt werden. "Ein unschlagbarer Vorteil des Gerätes ist es, dass der überwiegende Teil des Dünndarms von uns Ärzten nicht nur untersucht, sondern währenddessen auch gleich behandelt werden kann", zeigt sich Gastroenterologe Wirth begeistert.

 

"Mit dieser neuen Technologie bricht eine neue Ära im Bereich der Dünndarmspiegelung an. Wir haben mit dem Spiralenteroskop in der Region ein Alleinstellungsmerkmal. Erst in Kassel beziehungsweise Celle verfügen Kliniken ebenfalls über ein solches Gerät", freut sich Professor Karaus über die neue Errungenschaft des Weender Krankenhauses.

 

Der Untersuchungsarm ist mit spiralförmigen Lamellen aus flexiblem Material versehen.

 

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