A–

A

A+

Regionalanästhesie/Teilnarkosen

Operative Eingriffe an den Extremitäten lassen sich oftmals ohne Allgemeinanästhesie durchführen, indem die Schmerzwahrnehmung einzelner Nerven gezielt ausgeschaltet wird. Diese Technik wird als "periphere Regionalanästhesie" oder "periphere Nervenblockade" bezeichnet.

Nervenblockaden mittels Nervenstimulation

Mit Hilfe eines Nervenstimulators, der über eine dünne Kanüle einen schwachen Reizstrom abgibt, werden die zu blockierenden Nerven gezielt aufgesucht. Befindet sich die Kanülenspitze in der Nähe eines Nervs, wird die Muskulatur, die von den Nerven versorgt wird, zusammengezogen, oder der Patient verspürt Empfindungen im sensiblen Versorgungsbereich des Nerven. Durch eine Veränderung der Impulsbreite können motorische oder sensorische Nervenfasern gereizt werden. Die Höhe des verwendeten Reizstroms erlaubt einen Rückschluss darüber, wie dicht sich die Kanülenspitze dem Nerven angenähert hat. Dadurch kann das Risiko, den Nerven mit der Stimulationskanüle zu verletzen, weitgehend ausgeschaltet werden.

Bei korrekter Kanülenposition wird der Nerv durch die Injektion eines Lokalanästhetikums, das die Erregungsweiterleitung in dem Nerv blockiert, betäubt. Anschließend kann ein dünner Katheter durch die Kanüle vorgeschoben werden, der in unmittelbarer Nähe des Nerven zu liegen kommt und über den auch nach der Operation eine sehr effektive Schmerztherapie möglich wird.
 

Vorteile von Nervenblockaden

Die Hauptvorteile peripherer Nervenblockaden sind:

  1. Minimale Kreislaufbelastung. Dadurch eignet sich dieses Verfahren besonders für Patienten mit schweren Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie einer hochgradigen Einschränkung der Pumpleistung des Herzens oder Herzklappenfehlern.
     
  2. Vermeidung einer künstlichen Beatmung. In Deutschland leiden nach Schätzungen der Deutschen Atemwegsliga 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Diese Erkrankung führt zu einer stetig voranschreitenden Verschlechterung der Lungenfunktion und erhöht das Risiko für Komplikationen während und kurz nach einer künstlichen Beatmung, wie sie für eine Vollnarkose erforderlich ist. Die COPD ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters und nimmt an Häufigkeit weiter zu. Da ältere Menschen einen überproportional großen Anteil der Patienten im Krankenhaus ausmachen, können Regionalanästhesien zur Narkosesicherheit beitragen und werden in Zukunft vermutlich an Bedeutung zunehmen.
     
  3. Effektive Schmerztherapie nach einer Operation. Leider gehören Schmerzen für viele Patienten zu den unangenehmen Erinnerungen an einen Krankenhausaufenthalt. Die herkömmliche Schmerztherapie ist bei vielen operativen Eingriffen nicht ausreichend, um dauerhaft weitgehende Schmerzfreiheit zu erreichen, zumal eine hoch dosierte Gabe von Schmerzmitteln zu einer Vielzahl unangenehmer Nebenwirkungen führen kann. So konnte wiederholt gezeigt werden, dass mit peripheren Nervenkathetern die qualitativ beste Schmerzausschaltung erreicht werden kann und dieses Verfahren daher zur höchsten Patientenzufriedenheit führt. Gleichzeitig ermöglicht diese effektive Schmerztherapie eine frühzeitige intensive Nachbehandlung und kann so das operative Ergebnis verbessern: Patienten, die nach Knieprothesen-Implantation mit peripheren Nervenkathetern behandelt wurden, konnten deutlich schneller aus der Anschlussheilbehandlung entlassen werden, als Patienten, die eine herkömmliche Schmerztherapie erhielten.

 

Anwendungsmöglichkeiten von Nervenblockaden

Bei welchen operativen Eingriffen ist eine periphere Regionalanästhesie möglich und sinnvoll? An der oberen Extremität sind alle operativen Eingriffe an der Hand, dem Unterarm und im Bereich des Ellenbogens mit einer Blockade des sogenannten "Plexus brachialis" (Geflecht aus den Ästen der Spinalnerven der letzten vier Hals- und des ersten Brustsegments) möglich. Bei schmerzhaften Eingriffen im Oberarm- und Schulterbereich empfiehlt sich die Anlage eines Nervenkatheters allein zur Schmerztherapie nach einer Operation, während die Operation selbst in aller Regel unter Vollnarkose durchgeführt wird. An der unteren Extremität lassen sich sämtliche Operationen am Fuß und Unterschenkel in peripherer Regionalanästhesie durchführen. Für schmerzhafte Operationen am Oberschenkel und im Bereich des Kniegelenks sollte die Anlage eines peripheren Nervenkatheters zur Schmerztherapie nach der Operation erfolgen.

Da die Durchführung peripherer Nervenblockaden zeitaufwendig ist und viel Erfahrung erfordert, wird häufig die Frage gestellt, ob sich der ganze Aufwand tatsächlich lohnt. Neben einer medizinischen Versorgung auf höchstem Niveau, stellt die Patientenzufriedenheit zunehmend einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor zwischen den Krankenhäusern dar. Durch eine gute Schmerztherapie, die die Möglichkeiten der peripheren Nervenblockaden ausnutzt, kann die Attraktivität eines Krankenhauses für Patienten zweifelsohne gesteigert werden. Wir im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende bieten Ihnen diese Attraktivität durch die Anwendung von Nervenblockaden.