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Weaningkonzept

Kann ein Patient nach erfolgreicher Behandlung einer schweren Akuterkrankung nicht erfolgreich von der invasiven Beatmung entwöhnt werden, bezeichnet man dies als "Weaningversagen".

Die Ursachen können vielfältig sein. Daher kommt der Diagnostik möglicher Ursachen eines Weaningversagens eine große Bedeutung zu. Unsere Patienten erhalten in aller Regel eine Atemwegsspiegelung (Bronchoskopie), um Verletzungen oder narbige Engen der Atemwege zu erkennen und einen aktuellen Infektstatus zu erhalten. Weiter führen wir regelhaft Diagnostik in Hinblick auf Zwerchfellfunktionsstörungen, Rippenfellergüsse, Herzschwäche und Schluckstörungen durch.

Wir übernehmen den Patienten, der über einen Tubus im Mund-Rachenraum oder einen Luftröhrenschnitt (Tracheostoma) beatmet ist, in einer stabilen Situation auf unsere Weaningstation. Wünschenswert ist ein wacher und kooperativer Patient. Ziel unserer Bemühungen ist es, den Patienten schrittweise auf ein nicht-invasives Beatmungsverfahren umzustellen. Übergangsweise wird dafür das Tracheostoma mit einem sogenannten Platzhalter versorgt, um einen sicheren Beatmungszugang bis zur vollständigen Umstellung zu erhalten. Die Behandlung diagnostizierter Probleme (z. B. Infekt, Herzschwäche, Spastik der Bronchien, Pleuraerguss, Schädigung der Luftröhre oder Schluckstörungen) hat dabei einen hohen Stellenwert.

Unser Behandlungsteam besteht aus erfahrenen Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Fachkräften für die Gerätebetreuung und einer Logopädin. Wir verfolgen in unserer Arbeit gezielt ein Konzept der Reduktion intensivmedizinischer Maßnahmen. Dabei soll den Patienten schrittweise Normalität, Kommunikationsfähigkeit und Tagesstruktur zurückgegeben werden. Sind diese Grundvoraussetzungen geschaffen, kann der Verschluss eines vorhandenen Luftröhrenschnittes erfolgen wenn der Patient mindestens 48 Stunden mit einer mehrstündigen Maskenbeatmung stabil bleibt. Ist ein chirurgischer Verschluss erforderlich, erfolgt dieser in Zusammenarbeit mit der Abteilung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende.

Je nach Situation des Patienten schließt sich eine Anschlussheilbehandlung bzw. Rehabilitationsmaßnahme oder die Organisation der weiteren pflegerischen Versorgung durch unseren Sozialdienst und unsere Pflegeüberleitung an. Ob eine dauerhafte Heimbeatmung erfolgen muss, entscheidet sich in der Regel erst nach erfolgreicher Beatmungs-Entwöhnung.