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Mikrochirurgie

Gegenüber den sogenannten "offenen" Operationen, bei denen als Sichthilfen ausschließlich OP-Deckenleuchten zum Einsatz kommen und der Behandler sein Operationsgebiet ausschließlich makroskopisch einsehen kann, bedient sich die Mikrochirurgie dem Operationsmikroskop.

Der offene Zugang, der heutzutage nur noch selten und bei sehr aufwändigen Operationen mit langstreckiger Fusion und Fixation sowie bei schweren Skoliosen durchgeführt werden sollte, wird in der Wirbelsäulenchirurgie mittig des Rückens, also entlang der Dornfortsätze gemacht.

Dabei werden zum Teil Dornfortsätze entfernt, Muskulatur wird flächig abgelöst und geht zu Grunde. Auch der Blutverlust ist deutlich höher und kann sich zum Teil in kritische Bereiche bewegen, die Eigenblutgabe, Transfusionen (Fremdblut) oder sogar Aufenthalt auf der Intensivstation des Krankenhauses bedeuten.

Die modernen Mikroskope, arbeiten über eine binokuläre Optik mit Lichtkegel im Sichtkanal. Dadurch ist der Arzt in der Lage auch unter dem OP-Mikroskop 3-dimensional zu sehen. Strukturen, die unter normaler Lichtquelle nahezu nicht sichtbar sind, können dadurch erkannt und geschont werden.

Der wichtigste Vorteil der Mikrochirurgie, der sich durch die Entwicklung und den breiten Einsatz von Operationsmikroskopen ergibt, sind die deutlich kleineren Schnitte, die dadurch erst möglich geworden sind. Das geringere Trauma bedeutet direkt nach der Operation weniger Schmerz für den Patienten.

Gerade bei älteren Patient fällt hier ein weiterer wichtiger Punkt ins Gewicht: die schnellere Mobilisation (Aufstehen aus dem Bett und Laufen) nach einer Rückenoperation. Auch die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus selbst wird dadurch reduziert. Langfristig werden weniger chronische Schmerzen, die unter Umständen durch den großen offenen Zugang in der Mitte des Rückens mitverursacht werden konnten, beschrieben.

Da die Operation nicht immer ausreicht, um Rückenschmerzen vollständig und dauerhaft zu verhindern, sind Kräftigung der Stützmuskulatur und allgemeine körperliche Ertüchtigung wertvolle Mittel gegen Schmerzen. Durch die kleineren Schnitte ist es nicht mehr notwendig die Rückenmuskulatur vom Knochen abzulösen. Löst man Muskulatur vom Knochen ab, geht sie für immer zu Grunde.

Die Mikrochirurgie trägt somit viel dazu bei, dem Patienten nach der Operation die Chance auf effektives Training zur Vorbeugung weiterer Folgeerkrankungen zu geben.

Zuletzt lassen sich kleinere Schnitte besser vernähen, die Vernarbung ist gleichmäßiger und kleiner, das kosmetische Ergebnis damit deutlich besser und angenehmer für die Patienten. Da die Nähte unter der Haut angefertigt werden, müssen diese nicht mehr gezogen werden. Vielmehr kann der Körper diese selbst abbauen (resorbieren).

 

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